Power-RP im Rollenspiel

Power-RP

 

Rollenspielserver? Check!
Charakter erstellt? Check!
Verhaltensregeln verstanden? Check!

 

Im Grunde hast du jetzt schon die meisten Hilfsmittel in der Hand um Rollenspiel zu betreiben und die Welt an deiner Vorstellung eines Charakters teilhaben zu lassen.
Um aber noch ein paar weitere potentielle Fehlerquellen für den RP-Neuling auszuschließen widme ich mich hier noch einmal explizit dem sogenannten Power-RP.

 

Zu erst einmal: Was ist Power-RP?

 

Power-RP oder auch Power-Play genannt beschreibt simpel gesagt das Ereignis, wenn Charakter A einen anderen Charakter B zu einer Handlung zwingt, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, darauf zu reagieren.

 

Ein erstklassiges Beispiel dafür wäre:

 

“Cortyn greift nach Temul, zieht ihn über den Tresen, verpasst ihm eine gehörige Kopfnuss und schleudert ihn dann an die Bar zurück, so dass er sich zwei Rippenknochen bricht und bewusstlos zu Boden sinkt.”

 

Ein solches Emote ist endgültig, es lässt dem Betroffenen keinerlei Spielraum um zu reagieren, denn es beschreibt bereits eine abgeschlossene Handlung auf die er keinerlei Einfluss mehr nehmen kann. Gerade Neulinge schreiben solche Emotes oft unbewusst und ohne böse Absicht, wollten sie doch eigentlich nur eine “coole Szene” beschreiben.
Nun bleibt natürlich die Frage, wie kann man solche Konflikte trotzdem darstellen, ohne einem Spieler gleich auf die Füße zu treten?

 

Die Antwort ist simpel: Man fragt einfach nach. Um jetzt nicht vor jedem Emote ein langes Flüstergespräch mit der Zielperson führen zu müssen, ändert man einfach seinen eigenen Schreibstil ein wenig:

 

“Cortyn greift über den Tresen und versucht nach Temul zu greifen, will ihn wohl am Kragen zu sich ziehen.”

 

Und schon sind alle Probleme verflogen! Das “Opfer” und alle in der Umgebung sehen unsere Absicht und können nach ihren Wünschen reagieren, die letztendliche Entscheidung ob ein Charakter also von unserem Angriff betroffen ist, liegt immer beim betroffenen Spieler selbst.

 

rp in rp_power rp 1Bild

 

Falsche Schlussfolgerung

 

Leider ziehen viele RPler (auch langjährige Spieler) aus diesem Wissen den falschen Schluss und denken: “Meinem Charakter kann ja niemand etwas anhaben, also kann ich mich benehmen wie ich will.” Und genau da liegt ein großes Problem, denn: Rollenspiel basiert auf dem Respekt vor den anderen Spielern. Damit ist nicht gemeint, dass dein Charakter andere Charaktere respektieren sollte, aber immer den Willen der Spielers dahinter.

 

Und genau hier muss man wieder sehr klar differenzieren: Du weißt, dass deinem Charakter im Grunde nichts passieren kann, solange du das nicht möchtest, dein Charakter jedoch weiß das nicht! Rollenspieler sind in dieser Hinsicht leider (oder zum Glück!) wie Elefanten, sie vergessen es nicht, wenn dein Schmuggler eine Kneipenschlägerei anfängt und dann jedem der zehn Wachmänner geschickt ausweicht und völlig ungeschoren entkommen kann um das gleiche am nächsten Tag zu wiederholen.

 

Das ganze Rollenspiel basiert immer auf Respekt vor den anderen Spielern und das sollte man schnell verinnerlichen. Dies bedeutet nicht, dass dein Charakter jedem anderen Charakter nachgeben muss, aber ist es wirklich so schlimm in einer Schlägerei mal einen Schlag einzustecken? Meistens führt das zu lustigen Situationen: Als Cortyn einen Kinnhaken bekommen hat, waren plötzlich alle auf ihrer Seite und das, obwohl sie eigentlich mit dem Provokationen begonnen hatte. Manipulation und Intrige können im RP ein wunderbares Werkzeug sein, sollten aber nie auf die Spieler hinter denCharakteren ausgeweitet werden.

 

Die Gedanken sind frei – aber nicht im RP!

 

Eine weitere Methode des Power-RP ist zwar weniger schlimm für die Harmonie zwischenden Spielern, kann aber genau so nervig sein: Die sogenannten Gedankenemotes.

 

Wieder ein kurzes Beispiel:

 

“Alara lehnt sich an die Bar und denkt darüber nach, was sie wohl bestellen will, hat ihr der ‘Cassandra Sunrise’ doch beim letzten Mal nicht geschmeckt. Eventuell sollte sie diesmal einen Stimtee probieren?”

 

Auch hier wird die Problematik schnell deutlich: Man kann Charakteren nur vor den Kopf schauen. Und da wohl die wenigsten über die Kunst des Gedankenlesens verfügen, sollten solche Emotes am besten vermieden, stattdessen kann man die Mimik oder Gestik des Charakters einfach etwas genauer beschreiben, eben nur das, was andere Charaktere sehen könnten – exakt wie im richtigen Leben.

 

“Alara lehnt sich an die Bar und betrachtet die Getränkekarte aufmerksam. Hin und wieder runzelt sie die Stirn ein wenig, bevor sie letztlich zufrieden lächelt und sich dem Barkeeper zuwendet.”

 

Im Grunde wurde die gleiche Szene beschrieben, jedoch mit völlig anderen Mitteln. Sie lässt jedem Charakter wieder einen eigenen Interpretationsspielraum zu, vor allem aber wurde niemand gezwungen plötzlich Gedanken lesen zu können.

 

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RP mit NPCs

 

Im Rollenspiel gibt es natürlich eine Menge Aufgaben, die nicht von Spielern besetzt werden. In solchen Fällen baut man oft (teilweise auch imaginäre) NPCs in die eigenen Emotes ein, um einen Spielfluss zu bewahren, so brauche ich natürlich einen Barkeeper, wenn momentan kein Spieler diesen Job ausfüllt, genauso wie ich einen Taxifahrer oder Wachmann in mein Spiel einbinden kann.
Und wie so oft schlussfolgern Leute hier wieder falsch: “Es sind NPCs, also kann ich alles mit ihnen machen, was ich will.” NPCs sollten im Regelfall, wenn überhaupt, nur eine sehr dezente Rolle einnehmen, so kann ich natürlich in mein Emote einbauen, dass der imaginäre Barkeeper Jeff mir meinen Drink bringt, aber nicht, dass er mir frech auf den Hintern klatscht oder laut durch den Laden schreit, wie hässlich doch mein Abendkleid ist.

 

Auf der anderen Seite gibt es aber NPCs, die einen deutlich größeren Einfluss auf das Rollenspiel nehmen sollten, als sie es von der Engine her tun. Immerhin ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich als Hexenmeister mit meiner Sukkubus friedlich durch die Straßen von Stormwind gehe und die Wachen mir nur friedlich zuwinken, frei nach dem Motto: “Willkommen in der Kathedrale des Lichts, Hexenmeister!”

 

Rollenspieler verzeihen Fehler, aber wenn man zum dritten Mal in Folge mit einem offensichtlichen Sith in einer republikanischen Cantina auftaucht, dann muss man leider damit leben, dass diese Spieler einen ignorieren oder den Charakter, denn in so einem Fall stört es das Gesamtbild des Rollenspiels.

 

Das war es für heute, nun habt ihr alle Werkzeuge um erfolgreich und vor allem mit Spaß Rollenspiel zu betreiben. Im nächsten und voraussichtlich letzten Teil gehe ich ein wenig auf Rollenspiel-HotSpots und erläutere die ein oder andere kleine Thematik (zum Beispiel das “böse” e-RP!), wenn es noch Themenwünsche gibt, dann einfach zusammen mit Meinungen und Kritik in die Kommentare damit!

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4 Antworten zu Power-RP im Rollenspiel

  1. NoEpicLoot schreibt:

    16. Juni 2013 um 14:05

    Sehr schöner Beitrag, wie immer eigentlich… und so langsam bekomme ich sogar lust auf RP

  2. scary schreibt:

    16. Juni 2013 um 17:57

    “Alara lehnt sich an die Bar und denkt darüber nach, was sie wohl bestellen will, hat ihr der ‘Cassandra Sunrise’ doch beim letzten Mal nicht geschmeckt. Eventuell sollte sie diesmal einen Stimtee probieren?”

    /e kann keine Gedanken lesen. – War meine Standardantwort auf diese Emotes, als ich selbst noch RP gemacht habe.

    Ich habe diese Gedankenemotes von anderen Spielern gehasst. Selbst wenn man sich dann ernsthaft mit ihnen über das Thema ausgetauscht hat kam am Ende in 90% der Fälle das Totschlagargument: Sei nicht so ein Intoleranter Elitist und lass die Leute bitte ihr RP machen. Du stellst hier nicht die Regeln auf. Ansonsten ignoriers doch.

  3. kenny schreibt:

    6. Juli 2013 um 21:50

    Hallo,

    Ich freu mich schon tierisch auf den letzten Teil.
    Kann mir schon wer sagen wann man ihn erwarten kann?

    Liebe Grüße, Kenny

    • Cortyn schreibt:

      9. Juli 2013 um 21:18

      Hallihallo, vermutlich in den kommenden Tagen. Spätestens in einer Woche reiche ich es ein!

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