Rollenspiel in Rollenspielen – Verhaltensregeln

Rollenspielknigge

 

Ungeschriebene Gesetze und gutes Benehmen

 

Nun haben wir schon den Server gefunden und auch unseren ersten Charakter, der am besten von einem erfahrenen Rollenspieler schon abgesegnet wurde. Dann stürzen wir uns doch direkt in den ersten RP-Abend! Oder… nicht? Leider noch nicht, denn es gibt als Neuling vieles zu beachten, was langjährigen Rplern inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Doch keine Sorge – es sind sehr simple Verhaltensweisen und spätestens nach zwei oder drei Abenden passieren einem solche Anfängerfehler nicht mehr.

 

Auch diesmal möchte ich den Guide in ein paar wenige, essentiell wichtige Unterpunkte aufteilen:

 

1. Charakterwissen und Spielerwissen
2. Realistische Wahrnehmung
3. “Hallo, ich bin Assassine” – Was man besser verschweigt
4. Schriftform: Smilies, Abkürzungen und Rechtschreibung
5. Was passiert, wenn ich offline bin?
6. Out of Character – OOC

 

Vermutlich werden mir einige Rollenspieler in bestimmten Aspekten dieses Guides widersprechen und vieles basiert auf meiner subjektiven Sichtweise, dennoch glaube ich mir über die Jahre hinweg eine Meinung angeeignet zu haben, welche die Mehrheit der Rollenspieler unterstützt.

 

Charakterwissen und Spielerwissen

 

Die meisten WoW-Spieler wissen natürlich, dass der Lichkönig Arthas sein Ende gefunden hat oder das Sylvanas mit den Val’kyr eine neue unote Seuche erschaffen hat. Aber ist das auch Wissen, welches ein Bauer aus Elwynn hat? Vermutlich nicht. Und hier muss man stark unterscheiden, welches Wissen der Spieler besitzt und welches Wissen der eigene Charakter hat. Hier verweise ich noch einmal auf den ersten Guide, die Charaktererstellung: Ein allwissender Charakter ist unglaublich langweilig.

 

Aber noch weitaus mehr gibt es zu beachten: So sind zum Beispiel alle Informationen, die dir dein Interface gibt, zu ignorieren. Natürlich sagt dir dein Spiel, dass der Charakter vor dir mit Namen “Cortyn” heißt und einen Sith-Inquisitor spielt – aber dieses Wissen besitzt nur du als Spieler, nicht dein Charakter – und selbst dann kann es noch gänzlich falsch sein – denn vielleicht ist diese Twi’lek vor dir ja nur eine Tänzerin, eine Spicedealerin oder ein ganz normaler Bürger. Im richtigen Leben kennst du den Namen von Fremden auch erst, wenn sie sich vorstellen und solange dein Gegenüber nicht mit einem Lichtschwert herumwedelt, ist auch nicht erkenntlich, dass es sich um einen Sith oder Jedi handelt.

 

Realistische Wahrnehmung

 

rp in rp_memeBild

 

Grundsätzlich sind für das Rollenspiel nur drei Chatkanäle wirklich wichtig, das sind /sagen, /emote und /flüstern (in einigen Spielen heißen sie natürlich ein wenig anders). Besonders der /sagen-Kanal hat in einigen Spielen aber eine aberwitzige Reichweite von 40 Meter oder mehr. Versuchen wir einfach wieder eine Szene aus der Realität zu nehmen: Wenn wir in einer vollen Disco stehen, in der laute Musik gespielt wird und hunderte Menschen feiern, dann ist es absolut unrealistisch, wenn wir das verstehen wollen, was eine Person auf der anderen Seite der Tanzfläche gerade sagt. Exakt die selbe Situation lässt sich in das Rollenspiel übertragen: In einer prall gefüllten Taverne von Stormwind wird es schwer sein, mehr als einem Gespräch wirklich aufmerksam zu folgen, auch wenn du als Spieler natürlich die Chatnachrichten aller vorhandenen Charaktere lesen kannst. Hierfür gibt es natürlich keine festen Regeln, aber mit ein bisschen Nachdenken wird jeder für sich selbst ein realistisches Maß an Hörreichweite finden – spätestens wenn man versucht, mehr als zehn Rollenspielern aufmerksam zu folgen beginnt man ganz von alleine, die weiter entfernten Charaktere einfach zu überlesen.

 

“Hallo, ich bin Assassine” – Was man besser verschweigt

 

Jeder hat sich natürlich Mühe mit seiner Charaktergeschichte gemacht und gerade Neulinge tendieren dazu, diese Geschichte im Rollenspiel auch direkt preis zu geben. Davon will ich abraten, denn es kann schnell dazu führen, dass der eigene Charakter im Rollenspiel ignoriert wird oder von den anderen als “tot” (dazu in einem folgenden Guide mehr) angesehen wird. Es ist einfach eine unheimlich schlechte Idee, jedem zu verraten, dass man für den imperialen Geheimdienst arbeitet, ein Spion des SI:7 oder aber ein Auftragskiller ist. Denn auch, wenn es solche Leute natürlich gibt, machen sie ihren Job nicht gerade gut, indem sie es laut herausposaunen. Dies ist natürlich bei allen Berufen und Berufungen unterschiedlich, als Schneider in Stormwind kann ich wohl recht frei davon sprechen, wohingegen ich in der gleichen Stadt wohl niemandem verraten sollte, dass ich mich an dämonischer Magie versuche.
Und hier möchte ich euch ein unglaublich tolles Instrument an die Hand geben, mit dem selbst einige langjährige Rollenspieler ihre Probleme haben: Die Lüge.
Viele Rollenspieler erwarten es einfach nicht, dass ihr Charakter im Rollenspiel schlicht und direkt angelogen wird. Wenn man nun bedenkt, dass in der realen Welt ein Mensch im Schnitt mehr als 80 Mal lügt, dann ist es leicht denkbar, dass man das auch im Rollenspiel tun sollte – gerade wenn man ein Charakterkonzept hat, welches man in der momentanen Umgebung nicht offenlegen will.

 

Schriftform: Smilies, Abkürzungen und Rechtschreibung

 

Ich versuche mich hier kurz zu fassen: Smilies haben im Rollenspiel nichts zu suchen, genauso wenig wie Abkürzungen. Ein kurzes Beispiel gefällig, wie seltsam es wirken kann?

 

Cortyn sagt: “Hallo, Remson :), wollen wir heute Abend noch was machen, z.B. etwas trinken oder vll. ein Huttenballspiel ansehen? ^^

 

Rollenspieler sehen da nun:
Cortyn sagt: “Hallo, Remson Doppelpunkt Klammer zu, wollen wir heute Abend noch was machen, zet Punkt Beh Punkt etwas trinken oder vauelel Punkt ein Huttenballspiel ansehen? Circumflex Circumflex

 

 

Natürlich ist dies ein sehr überspitztes Beispiel und nicht alle Rollenspieler werden es so dramatisch sehen, wenn einem doch mal ein Smilie rausrutscht – versucht es dennoch zu vermeiden, denn vielen Rollenspieler ist die RP-Atmopshäre sehr wichtig und so etwas kann massiv stören.

Auch die Rechtschreibung kann ich hier nicht unangesprochen lassen, denn sie ist wichtiger, als man vielleicht denken mag, das lässt sich aber ganz simpel herleiten:
Rollenspiel besteht zu 95% aus Texten. Niemand würde es durchhalten, ein ganzes Buch zu lesen, in dem jedes Wort kleingeschrieben und jedes dritte Wort aufgrund der Rechtschreibung unkenntlich ist. RP ist von Natur aus mühsamer als ein “lfm 2 mages 4 grp plx” und niemand ist über kleine Fehler schockiert, denn die passieren jedem (Ich will garnicht wissen, was die JustGaming-Crew hier noch an Fehlern gefunden hat!). Wichtig ist nur, dass man sich Mühe gibt und ich nehme mich hier gerne selbst als Beispiel: Mein Wortschatz hat sich durch das RP deutlich verbessert, so hat es auch noch einen positiven Nebeneffekt.

 

rp in rp_taverne

 

Was passiert, wenn ich offline bin?

 

Ein unglaublicher Vorteil zum realen Leben ist im RP natürlich, dass man ausloggen kann, wenn man keine Lust mehr hat – aber ein Nachteil ist auch, dass man ausloggen muss, wenn man vielleicht noch wissen will, wie die Schlägerei in der Bar ausgeht.
In jedem Fall sollte man sich aber grob überlegen, was der Charakter so macht, während man offline ist. Dafür muss man sich nun nicht den Kopf ewig zerbrechen, ein einfacher Satz reicht: “Mein Charakter hat in der Zeit gearbeitet und danach geschlafen” ist vollkommen ausreichend und dient nur als Erklärung für dich und andere Rollenspieler.

 

Out of Character – OOC

 

Im RP wird es immer mal wieder notwendig sein, kurzzeitig außerhalb der Rolle zu sprechen, in so einem Fall kann man das ganz einfach kenntlich machen, indem man den Text in Doppelklammern verfasst, also: “((Entschuldigung, ich hatte einen Disconnect, könntet ihr die letzten beiden Sätze nochmal wiederholen?))”
Natürlich sollte man diese Art der Kommunikation auf ein Minimum beschränken um nicht zu stören – aber wenn es einmal notwendig ist, weißt du nun, wie es möglich ist!

 

Ich hoffe, dieser Guide hat euch gefallen, auch wenn er diesmal ein wenig kürzer ausfällt.
Wenn ihr Anregungen, Fragen oder Kritik habt, dann einfach in die Comments damit, ansonsten lesen wir uns in ein paar Tagen im dritten Teil, wo ich mich mit Rollenspielhotspots und verschiedenen RP-Kategorien beschäftigen werde.

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13 Antworten zu Rollenspiel in Rollenspielen – Verhaltensregeln

  1. hijackinthebox schreibt:

    6. Juni 2013 um 09:48

    Kommt evtl. im nächsten Teil, aber bisher fehlt mir da noch:

    – Nimm Reaktionen Deines Gegenübers nicht eigenständig vorweg. Lass Deinen Mitspieler entscheiden, ob Du es schaffst ihn zu boxen, ihm den Kopf abzuhacken (?), ihn niederzuknutschen.
    Alles andere nennt sich Powergaming und ist zum K****. ;-)

    • Cortyn schreibt:

      6. Juni 2013 um 16:12

      Auf Power-RP werde ich noch ausführlich eingehen, vermutlich im übernächsten (planmäßig letzten) Teil, aber danke für die Anmerkung!

  2. kenny schreibt:

    6. Juni 2013 um 14:33

    Vielen lieben dank für diesem Guide.
    Ich freu mich schon auf viele neue RPler und frischen Wind

  3. fzZ. schreibt:

    6. Juni 2013 um 16:44

    Als jemand der mit RP eigentlich nicht viel am Hut hat, es noch nie gespielt hat, würde mich sehr der Ablauf eines “Spiele Abends” aus deiner Sicht/der deines Charakters interessieren.
    Ich habe die Guides bisher sehr gemocht, auch wenn sie mir irgendwie sehr theoretisch vorkamen, gerade deshalb würde mich so ein praktisches Beispiel interessieren.
    Vielleicht wäre es möglich dass du dich 2 Stunden (oder so) hinsetz, es spielst und uns davon dann berichten kannst, auch wenn es wahrscheinlich viel Arbeit bedeutet.
    Gute Arbeit soweit. Vielen Dank für die Artikel :)

    • Cortyn schreibt:

      6. Juni 2013 um 17:28

      Soetwas kann ich natürlich machen, aber wie stellst du dir das dann vor? Ein Spieleabend ist ja, streng betrachtet, nur ein großer Chatlog. Oder in einer Zusammenfassung um einmal zu zeigen, was passiert?
      Danke für die Meinung auf jeden Fall!

      • fzZ. schreibt:

        7. Juni 2013 um 03:43

        Ich denke ein großer langer Chatlog wird auf nicht so viel Interesse stoßen. Vielleicht könntest du wirklich eine Zusammenfassung darüber schreiben was so passiert ist, wie sich Gespräche entwickelt haben etc. Wie gesagt, ich bin selbst dem RP vollkommen fremd :(. Vielleicht stelle ich mir das auch zu einfach vor, aber vielleicht ergibt das ja ne recht schöne Geschichte (aus der Sicht deines Charakters?).

      • fzZ. schreibt:

        7. Juni 2013 um 03:49

        Vielleicht sowas in der Art eines Tagebucheintrages deines Charakters.

        • Cortyn schreibt:

          7. Juni 2013 um 14:22

          Dazu werde ich mir mal ein paar Gedanken machen, eventuell schreibe ich sowas. Rollenspielt hat (gewollter Weise) natürlich nicht immer epische Ausmaße und ist für “Szene-Fremde” eventuell nicht so spannend, wenn man etwas nachliest. Aber ein Tagebuch/Holo-Eintrag von einem meiner Charaktere wäre durchaus denkbar, wenn dann am Ende der Reihe. Danke für das Feedback soweit!

  4. Balnazza schreibt:

    6. Juni 2013 um 20:35

    Hab es ja schon beim letzten Mal gesagt:
    RP ist weitesgehend uninteressant, aber deine Guides fesseln mich trotzdem. Dafür Hut ab!

    • Cortyn schreibt:

      6. Juni 2013 um 23:23

      Danke sehr, immer motivierend sowas zu lesen! – Gib dir einen Ruck und probier es einfach mal ^.~

      • Balnazza schreibt:

        7. Juni 2013 um 20:46

        Ne, bin da einfach nicht kreativ genug für bzw. mir fehlt da etwas die Geduld :D

        • Alphanius schreibt:

          10. Juni 2013 um 19:45

          Das dachte ich auch immer, dabei fehlts einfach nur an jemandem, der einen (in der entsprechenden RL-Community) an die Hand nimmt und mit rein führt :)

          • Cortyn schreibt:

            11. Juni 2013 um 02:24

            Das ist garnicht zwangsweise notwendig!
            Schnapp dir einfach einen Freund, der ebenfalls bisher kein Rollenspieler war und melde dich im RP-Forum des Spiels deiner Wahl an und Frage nach Leuten, die euch etwas an die Hand nehmen könnten – viele Communitys haben extra Rollenspieler dafür, die das gerne machen, damit man leichten Einstieg findet.

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