Microtransactions und DLCs – Segen oder Fluch?

Hallo ihr lieben,
 
hier und heute soll es um die kleinen und großen Dinge gehen, die man sich in und für Spiele kaufen kann, ich möchte ein wenig auf die verschiedenen Arten solcher “ingame Purchases” eingehen und freue mich natürlich auf eure Meinung in den Kommentaren.
 
Aber warum möchte ich darüber reden, nun, das ist vor allem einem Herrn geschuldet, der CFO (Finanzchef) einer Firma namens EA ist. Blake Jorgensen ließ auf der Morgan Stanley Technology, Media & Telecom Conference folgenden Satz fallen:
 
“Der nächste und viel größere Anteil (des Business ‘Games’) sind Microtransactions innerhalb von Spielen. Wir werden in alle unsere Spiele die Möglichkeit einbauen, Dinge im Laufe des Spiels zu kaufen, um einen höheren Level zu bekommen, einen Charakter freizuspielen, einen Truck zu kaufen, eine Waffe, was auch immer; und die Kunden mögen dies und begrüßen dies”. (sinngemäße Übersetzung von uns; Quelle)
 
Wait … WHAT?
 
Ok, von vorn. Wenn wir von Microtransactions reden, müssen wir die verschiedenen Typen unterschieden, oder anders gesagt, wir müssen uns das gesamte Business Modell eines Produkts anschauen.
 
Nehmen wir League of Legends. Ich denke den meisten die hier lesen, sind die Microtransactions in LoL bekannt. Für Echtgeld bekommt man sog. Riot Points, mit denen man wiederum Champs, Skins, etc. kaufen kann. Alles wunderbar, denn neben Boosts (die die Levelgeschwindigkeit oder die Menge an ingame Punkten erhöht) sind lediglich Skins, die keinerlei ingame Vorteile bringen, für “echtes Geld” zu bekommen.
 
Mit diesem Modell bin ich 100% einverstanden. Man kann ohne einen Cent auszugeben, das Spiel spielen, will man einen cooles Skin, kann man investieren, aber das böse “pay2win” sehe ich hier nicht.
 
Ein leicht anderes Modell fährt Planetside 2. Wie bei einem FPS gängig geht es natürlich um Waffen … diese kann man freispielen, was allerdings gerade bei Fahrzeugwaffen teilweise echt lang dauern kann, doch bis auf wenige Ausnahmen sind die frei spielbaren Sachen sog. Sidegrades, also eine Shotgun statt dem Sturmgewehr -> mehr dmg auf kurze Distanz. Klare Upgrades gibt es nicht (leider gibt es ein paar wenige Ausnahmen, aber auf die möchte ich hier nicht eingehen).
 
Leider gibt es auch schwarze Schafe in diesem Bereich, Spiele mit Pay2Win Modellen. Pay2Win heißt nicht automatisch, dass es sich um ein Multiplayer PvP Spiel handeln muss, sondern es können auch Sachen wie AION (kein Auktionshaus, kein direkter Handel mit anderen Spielern, etc.) oder SW:ToR (nur 2 Leisten verfügbar, etc.) sein, wo das Spiel alles tut, einen zurück ins Monatsabo zu treiben.
 
Und dann gibt es natürlich eine Menge an “f2p” Spielen im Online Shooter Bereich, deren Shoppingmöglichkeiten durchaus als pay2win zu bezeichnen sind. Als Beispiel würde ich hier Gotham City Imposters wählen, welches wir im JN auch schon getestet hatten. Der Shop (über Steam) gibt die Möglichkeit, den Progression Prozess, der Waffen und deren Mods freischaltet für Geld massiv zu beschleunigen. Das gibt gerade in den unteren Leveln des Games eine sehr unschöne Verzerrung, aber auch GC:I hat wunderbare Kostüme zum kaufen ;-)
 
dlc
Bildquelle: Steam Client
 
Bevor wir uns nun dem Teufel persönlich widmen, reden wir noch über DLCs.
 
Tim Buckley vom großartigen CAD Comic hat einen wunderbaren Comic zu diesem Thema gemacht, den wir als Auftakt nehmen:
 
CAD Comic
Bildquelle: Ctrl+Alt+Del Comic
 
DLCs gibt es in verschiedensten Formen, was der Name “Downloadable Content” schon suggeriert. Gerade in Steam ist alles DLC, was es zusätzlich zu kaufen gibt, so wie auch die eben genannten Packages in Gotham City Imposters.
 
Der klassische DLC ist natürlich das, was wir gemeinhin als “Addon” bezeichnen. Dinge wie “The Missing Link” für Deus Ex , “Virgil’s Downfall” für DMC oder “Dragonborn” für Skyrim sind so Beispiele, wo man sich neue Missionen  für Geld kaufen kann. Wie gut oder schlechte solche DLCs sind, ist jedem selbst überlassen. Je nachdem wieviel Spaß man mit den Addons hat und natürlich wieviel sie kosten. “The Missing Link” beispielsweise fand ich großartig. Dank schöner & herausfordernder Storyund gescheiten “Bosskämpfen” haben sich diese 10 Euro für mich gelohnt.
 
Eine andere Geschmacksrichtung sind PvP Updates, beispielsweise für Space Marine, wo es Skins und Maps für den Multiplayer gibt. Kann man kaufen, muss man aber nicht.
 
Diese DLCs sind klasse Sachen und definitiv eine gute Erfindung, sofern nicht übertrieben wird und der Content sein Geld wert ist. Das ist wie eben geschrieben natürlich immer vom Spieler abhängig, es gibt aber auch Beispiele, wo Content und Preis in keinem Verhältnis stehen. Oder es gibt Content, der zum Spielstart bereits zur Verfügung steht und extra gekauft werden muss, und damit sind wir bei EA.
 
THE DEVIL HIMSELF
 
Vielleicht etwas reißerisch der Titel, aber ich möchte hier 3 Beispiele bringen, wo mich Microtransactions und DLCs wirklich auf die Palme bringen:
 
EA’s Mass Effect 3 und das DLC “From Ashes”. Dieses DLC stand mit dem Release des Spieles für $10 (?) zur Verfügung, alternativ war es auch Teil der N7 Edition (CE) des Spiels. Wow, Moment mal … Gamecontent, der fertig ist und trotzdem einen Zehner kostet :( Das finde ich extrem traurig, auch wenn der DLC “nur” ein wenig Content, “Cosmetic Stuff” und ein neues Crewmitglied beinhaltet (musste das gerade ein Prothean sein????????) finde ich das nicht wirklich geil. Allerdings hat das meinen Spielspaß nicht getrübt und hätte mir auch keinen wirklich Vorteil im Spiel verschafft.
 
Wer noch mehr zum Thema Day-1 DLC haben will, schaut sich TotalBiscuits “Why I think Bioware has gone too far with Mass Effect 3” Video an (englisch):
 

 
Gut, der nächste logische Schritt ist “Day 1 DLC” mit ingame Benefit, was können wir da als Beispiel nehmen … wie wäre es mit EA’s Sim City … brandaktuell. Ich will hier auch nicht auf den desaströsen US Start und den nicht minder schlimmen Start bei uns eingehen, sondern ich will auf die City Packs eingehen.
Das City Pack gibt es mit der Deluxe Edition oder per DLC im Store des Vertrauens (beispielsweise MMOGA) zu kaufen. In der normalen Edition sind die City Packs nicht enthalten.
Nun könnte man sagen, was heult der yeto denn hier rum, nur weil er kein Brandenburger Tor bauen kann. Rumheulen tut er, weil wir hier von konkreten ingame Vorteilen sprechen, mit dem deutschen City Pack gibt es immerhin schnellere Züge, was ein Vorteil ist. Genau wie die bessere Polizei bei den Franzosen oder bessere Busse bei den Briten.
Wäre das nur kosmetisch, ok, kein Problem hier, aber mit konkreten Spielvorteilen, wtf? Muss denn sowas sein? Wir reden immerhin von einem AAA Titel, also einem Titel für 50 Euro. Kann ich für 50 Euro nicht erwarten, dass ich den vollständigen fertigen spielrelevanten Content bekommen? FÜR 50 EURO?
 
ea2
Bildquelle: Origin Client
Aber, man kann auch ohne ICE Sim City spielen, alles halb so wild ;-)
 
Kommen wir zu Beispiel 3, welch Überraschung, EA (!!). Diesmal Dead Space 3. Wieder ein Titel für Vollpreis. Ein Singleplayerspiel. Was haben wir hier tolles, was mich anpisst? Microtransactions! Oh man.  Schauen wir mal rein, bzw. lassen reinschauen von eurogamer.net.
 
Vor allem die Bot-Upgrades zum Sammeln von Waffenteilen und Ressourcen finde ich extrem bedenklich, man verschafft sich mit echten Geld einen konkreten Ingame Benefit … und das bei einem Vollpreis-Game. Früher nannte man sowas Cheats, und wer noch “DNSTUFF” kennt, weiß was ich meine. Mir fehlt definitiv das Verständnis für diese Business-Entscheidung.
 
ea1
Bildquelle: Origin Client
 
Im Eingangszitat sagt Blake Jorgenson, dieses Modell werde von den Spielern angenommen, nun stellt sich die Frage, wie kommt er auf den Käse … Nun, eigentlich ganz einfach, er hat nämlich (in gewissen Bereichen) Recht:
 
“EA hebt den Erfolg von “The Simpsons: Tapped Out”, dem freemium iOS Titel, eingeführt in frühen 2012, hervor. Das Spiel generierte mehr als 23 Mio. US$ Umsatz während den Quartalen 2, 3 und 4 von letzten Jahr.” (sinngemäße Übersetzung von uns, Quelle)
 
Moment, 23 Mio. USD????? Wow again. Man versteht, woher also die Einstellung kommt. Und wer das Spiel gespielt hat weiß (Wer’s nicht kennt … ist wie Sim City), dass man ohne die Gebäude, die man kaufen kann, nicht weit kommt.
 
Nun könnte man sagen, was regt sich der yeto so auf … er kann die Games immer noch spielen und letztenendes, er muss die Games ja nicht spielen.
 
Das ist natürlich alles richtig. Und trotzdem rege ich mich auf. Warum? Nun, EA ist einer der großen Publisher und damit natürlich Vorreiter. Schaut man Richtung Activion sieht man ein ähnliches Bild (D3 Auktionshaus!).
 
Andererseits ist es natürlich so, dass wenn ein Umsatzpotential da ist, muss man dieses natürlich auch heben. Wie lang wird es wohl dauern, bis Publisher versuchen den Kunden zu ermuntern, doch zu kaufen? Heute helfen die Bot Verbesserungen noch in Dead Space 3, was ist aber, wenn man gewisse Ressourcen braucht, um an einer Stelle weiterzukommen, was wenn wir grinden müssen … oder uns davon freikaufen?
 
Was können wir tun? Wir Gamer müssen den Publishern zeigen, dass wir ihren Content lieben, aber so eine Kacke nicht mitmachen. Finger weg, von den unsäglichen Microtransactions.
 
Was denkt ihr? Überdramatisierung vom yeto? Realistische Betrachtung? Raus mit der Sprache und ab in die Comments.
 
… selbst Blake Jorgenson ruderte inzwischen zurück:
 
“Ich habe ein Statement in einer Konferenz gemacht so ungefähr wie “wir werden Microtransactions in unseren Spielen haben” und die Community hat daraus gelesen, dass wir Microtransactions in alle unsere Spiele einbauen werden, aber das stimmt nicht”, sagte er. “Alle Mobile Games werden Microtransactions beinhalten, denn diese sind meistens free2play” (sinngemäße Übersetzung von uns, Quelle)
 
Ich glaube ihm nicht.

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6 Antworten zu Microtransactions und DLCs – Segen oder Fluch?

  1. tyrandi schreibt:

    24. März 2013 um 13:26

    Gute Kolumne der ich mich voll und ganz anschließen kann! Skin/Artwork/Soundtrack DLCs finde ich absolut ok und ermöglichen durch einen zusätzlichen Kauf, dass ich mich zu einer Franchise noch mehr hingezogen fühle.
    Was EA aber seit einigen Jahren betreibt geht eindeutig zu weit und wird von mir bewusst nicht unterstützt, da es gegen meine Prinzipien geht. Sehr schade, denn ich hätte große Lust gehabt ME3, Dead Space und Sim City zu kaufen und zu spielen.

  2. Zeffon schreibt:

    24. März 2013 um 13:29

    Gut geschrieben! Ich bin auch meistens deiner Meinung. Außer bei manchen Day1DLC’S. Die herrsteller wollen den Leuten die mehr zahlen auch was besseres bieten. Das sind eben die Limited/Collection Editions. Meist hat man von dem Inhalt kein vorteil aber schönere Kostüme etc. sind da gerne mal drin, was mich jetzt beispielsweise überhaupt nicht stört.

    PS: yeto gute kolumne aber trozdem sind Satzzeichen keine Rudeltiere :P

    • yeto schreibt:

      29. März 2013 um 11:46

      Blizzard zeigt mit den CE’s sehr eindrucksvoll wie man Kunden zum Kaufen animieren kann (ich hatte Wotlk + Cata CE) ohne den Kunden ohne inhalte vorzuenthalten. Gerade wo heute möglichkeiten ohne Ende da sind für DLC ohne Gamevorteil. Ich habe gerade das neue Hitman gekauft und wenn man sich die Steampage anschaut, wieviele Skins man dort kaufen kann oder alternativ bei Tomb Raider.

  3. fabsky schreibt:

    24. März 2013 um 19:16

    Guter Beitrag. Das EA aber manchmal auch sinnvolle DLC’s bringen zeigte bei Fifa 12. Da haben Sie statt ein Euro 2012 raus zubringen für 50 EUR ein DLC für Fifa 12 für 20 EUR. Das fand ich ziemlich sinnvoll und ich hoffe Sie wiederholen dies nächstes Jahr bei der WM.

    • yeto schreibt:

      29. März 2013 um 12:03

      Als Nicht-Sportspiel Fan ist das “jedes Jahr ein neues Game zum Fullprice” eh nicht so geil und wenn ich dich richtig verstanden habe, hat man darauf verzichtet, statt 2 Fullprice Titel in einem Jahr, nur einen und einen für 20 Euro rauszubringen? ;-)

  4. dipree schreibt:

    25. März 2013 um 17:32

    Ich mag DLC die mein Spiel im Nachhinein sinnvoll erweitern im Stile eines Addons. Dafür zahle ich auch gern mal was, damit ich auch nach dessem Ende nochmal eine zeitlang Spass mit dem Game habe.
    Ansonsten mag ich DLC oder Microtransaction eigentlich weniger, da sie für mich nur Abzocke sind. Ich habe Angst vor dem Tag an dem ich mir mein Spiel nach und nach zusammenkaufen muss. Wie etwa Fifa wo man dann vielleicht einzelne Spieler dazukaufen muss. Das sowas auch halbwegs gut funktionieren kann hat ja telltalegames gezeigt zum Beispiel mit den Episoden zu “Back To The Future”. Und von Vorteil ist da auch das wenn man merkt das das Spiel doch nichts für einen ist, dann kauft man den Rest nicht und hat nur einen kleinen Betrag ausgegeben.

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